Die Reform wertet die Lokalpolizei umfassend auf und stärkt ihre Rolle im lokalen Sicherheitsnetz. Ziel ist eine gut ausgebildete, zweisprachige und bürgernahe Kraft, die in den Gemeinden als verlässlicher erster Ansprechpartner für Sicherheit und Ordnung bereitsteht. Der Ausbau der Einheiten wird gezielt durch eine Anreizfinanzierung für die Gemeinden unterstützt.
Die begrenzten Zuständigkeiten des Landes Südtirol im Bereich der öffentlichen Sicherheit und Ordnung setzen einen kontinuierlichen und engen Austausch mit den staatlichen Sicherheitsbehörden voraus. Ziel ist es, alle vorhandenen Handlungsspielräume aktiv zu nutzen und voll auszuschöpfen, um die verfügbaren Ressourcen optimal zu koordinieren und für eine Verbesserung der Sicherheitslage einzusetzen. Ein konkreter Ausdruck dieser verstärkten Zusammenarbeit ist die Präsenz bei den Sicherheitskonferenzen im Regierungskommissariat, bei denen Vertreter des Landes vorher nur sporadisch vertreten waren, seit Beginn dieser Legislaturperiode aber ein fixer Bestandteil sind.
Mit zwei Abkommen wurde der Ankauf von Ausrüstungsgegenständen und Arbeitsmitteln für die Staatspolizei und die Carabinieri durch das Land vereinbart. Im Gegenzug stellen die Quästur und die Carabinieri Fortbildungs- und Informationstätigkeiten für die Ausbildung der Ortspolizei sowie für das Landespersonal bereit. Die Abkommen sind ein zentraler Baustein der im Regierungsprogramm vereinbarten Sicherheitsstrategie, die die bestmögliche Unterstützung der staatlichen Sicherheitskräfte, die Aufwertung der Ortspolizeien sowie deren Vernetzung untereinander vorsieht, um insgesamt eine effektivere Polizeiarbeit und Kriminalitätsbekämpfung zu ermöglichen.
Um die Sicherheit von Betrieben zu stärken, wurde im November 2024 die Förderung von modernen Überfall-, Einbruchmelde- und Videoüberwachungsanlagen für Betriebe eingeführt. Aufgrund der starken Nachfrage wurde die Maßnahme für den Zeitraum 2026–2028 verlängert und gezielt ausgebaut. In Kooperation zwischen den Ressorts für Sicherheit, Wirtschaft und Tourismus wurden die Kriterien erweitert: Unternehmen werden nun zusätzlich bei der Installation von GPS-Ortungssystemen und der Beauftragung privater Sicherheitsdienste mit Zuschüssen von bis zu 50 Prozent (max. 7.000 Euro pro Betriebsstätte) unterstützt, um Mitarbeiter, Gäste und Betriebsgüter noch effektiver zu schützen.
Durch die vorübergehende Zurverfügungstellung von Landespersonal, den zeitweiligen Einsatz von Praktikanten im Rahmen eines über PNRR-Mittel finanzierten Beschäftigungsprojektes sowie eine Neuorganisation im Passamt konnten die Wartezeiten für die Ausstellung und Erneuerung von Reise- und Waffenpässen deutlich reduziert werden. Die enge Zusammenarbeit des Landes Südtirol mit der Quästur zur Verbesserung dieser essenziellen behördlichen Dienstleistungen soll auch in Zukunft fortgeführt werden.
Die einmal jährlich stattfindende Konferenz bietet Raum für den Austausch und die Information über wechselnde Themenschwerpunkte im Bereich der öffentlichen Sicherheit. Bei der ersten Konferenz im November 2024 wurde im Beisein von Innenminister Matteo Piantedosi ein Rahmenabkommen zwischen dem Land Südtirol und dem Innenministerium genehmigt, um Maßnahmen zur Förderung der Sicherheit und Gewaltprävention zu koordinieren und die institutionelle sowie finanzielle Zusammenarbeit langfristig zu festigen. Auf der zweiten Konferenz am 28. Oktober 2025 wurden die Ergebnisse der ersten repräsentativen Sicherheitsstudie Südtirols vorgestellt.
Bei der vom Meinungsforschungsinstitut rcm-solutions durchgeführten repräsentativen Studie wurden insgesamt 1.500 Personen telefonisch oder online befragt. Ziel der Untersuchung war es, ein detailliertes Stimmungsbild der Südtiroler Wohnbevölkerung hinsichtlich ihres subjektiven Sicherheitsempfindens sowie ihrer Wahrnehmung verschiedener Aspekte der Kriminalität zu erheben. Das Ergebnis dient als verlässliche, faktische Datenbasis, um künftige Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen der Landespolitik zielgerichtet auszurichten.
Als zentrale Maßnahme im Bereich Prävention ist ein zentral organisierter, beim Ressort angesiedelter und einheitlich strukturierter Streetworker-Dienst vorgesehen. Für den Aufbau unter einheitlicher Regie werden 10 Vollzeitstellen in den Stellenplan des Landes integriert. Ziel ist ein landesweiter Einsatz an sozialen Brennpunkten, der auf Dialog und Austausch setzt und als Bindeglied zwischen der Bevölkerung, Schulen, Sozialdiensten, Elternhäusern und den Sicherheitskräften fungiert. Da sich die Personalsuche schwierig gestaltet, steht der genaue Zeitpunkt des Starts derzeit noch nicht fest.





